Kulturbäckerei unter den Augen des Schutzpatrons

In den schmucken Soester Fachwerkhäusern haben sich viele gastronomische Betriebe und Bäckereien niedergelassen. Darunter fällt eine Bäckerei besonders auf:  Außen verziert ein sogenanntes Nasenschild die Fassade, die das Bildnis des heiligen Nikolaus zeigt. Darunter steht der Name: „Herr von Myra Brotmanufaktur“.

Wer in den Laden tritt, befindet sich gleich in der Backstube: Der Tisch bietet frisch gebackene Ware an, gleich dahinter steht der schwere Ofen. Man sieht die Arbeitsflächen, Ruheschränke und allerlei Backutensilien im Raum. Die Produkte sind liebevoll in Körben angerichtet und laden zum Naschen ein. Simon Hoberg, Gründer und Inhaber der Brotmanufaktur erklärt das Konzept: „Die offene Backstube dient dazu, dass der Kunde unsere Ware mit allen Sinnen genießen kann. Wir stellen das Brot wie früher her, bevor es zur Massenproduktion wurde. Die Tradition, die wir versprechen, beruht auf dem Herstellungsprozess.“ Tatsächlich unterscheidet sich „Herr von Myra“ von anderen Bäckereien. Erst 2013 wurde die Brotmanufaktur eröffnet und verfolgt ein klares Konzept: „Wir sind eine Kulturbäckerei und bieten unser Handwerk in Reinform“, sagt Hoberg stolz. „Wir bestechen nicht nur durch unsere Transparenz in der Herstellung, in der wir beweisen, dass es uns um das Handwerk des Backens ernst gemeint ist. Wir benutzen nur hochwertige Zutaten aus der Region und verzichten komplett auf Zusatzstoffe. Unsere Milch stammt von einem Bauern aus der Region und wird nicht homogenisiert. Unsere Knetmaschine ist ein sogenannter Doppelarmkneter, mit dem sich das Kneten per Hand sehr gut imitieren lässt. Wir sind eine Brotmanufaktur der kurzen Wege.“  

Selbstverständlich braucht eine Kulturbäckerei auch einen besonderen Namen: „Die übliche Namensgebung als Bäckerei und unserem Familiennamen fiel raus“, erklärt Hoberg. Der Begriff ‚Bäckerei‘ sei durch das Aufkommen von SB-Bäckereien negativ besetzt. „Wir wollen uns von der Massenproduktion abheben und das Handwerk in den Mittelpunkt rücken -  deswegen Brotmanufaktur“, erklärt der Inhaber.  Dass der Zusatz eine Anlehnung an den Heiligen St. Nikolaus als Bischof von Myra und Schutzpatron der Bäcker, Drescher und Getreidehändler ist, erklärt der Inhaber wie folgt: „Wir backen sehr ursprünglich und sehen uns in der Tradition des ursprünglichen Backhandwerks:  Jeder Laib, jedes Gebäck wird von Hand hergestellt und sofort in den Ofen geschoben. Weil wir diese Tradition verfolgen und großen Respekt vor unserem Handwerk haben, ist der Name des Ladens an den Schutzpatron unseres Standes, den Heiligen Nikolaus, angelehnt“. Für Hoberg geht mit dem Namen aber nicht nur die Tradition und der Respekt mit ein, sondern auch die Vermittlung von Backwissen und -kultur. „Früher war Backen ein Ereignis. In den meisten Dörfern gab es nur einen großen Ofen, an dem man sich dann traf und gemeinsam backte. Da entwickelte sich eine Kultur des Backens, die auch förderlich für die Dorfgemeinschaft war.“, erzählt Hoberg. „Wir wollen nicht nur zeigen, wie Brote hergestellt werden, sondern dieses Wissen auch vermitteln.“ Aus diesem Grund werden in der Brotmanufaktur „Herr von Myra“ auch Backkurse angeboten, in denen das Wissen die Kunden weitergegeben wird. Apropos Kunden, von Beginn an hat die Brotmanufaktur „Herr von Myra“ einen ganz besonderen Kunden. „Der Pfarrer von St. Petri hier in Soest, ist ein Stammkunde von uns.“, sagt Hoberg stolz. Mit dem Geistlichen hatte der Bäckermeister auch bereits die ein oder andere Unterhaltung über den Heiligen Nikolaus.