Vision Gerechtigkeit

Die Katholische Soziallehre: Ein Thema für Experten, antiquierte Idealvorstellung in einer globalisierten und ökonomisierten Welt?

Keins von beiden, meint Dr. Peter Klasvogt, der Direktor des Sozialinstituts Kommende in Dortmund. Für ihn ist die Katholische Soziallehre nicht nur aktueller denn je, Klasvogts Charakterisierung zeigt auch ihre Bedeutung für die gesamte Gesellschaft. „Vision Gerechtigkeit“, fasst der Kommende-Direktor die Kernbotschaft der Soziallehre für Unternehmer und Mitarbeiter zusammen: „Ehrlichkeit zahlt sich aus, Gerechtigkeit schafft Frieden auch im Alltag. Dafür wollen wir als Kommende werben.“

Es wird mal wieder gebaut auf dem Gelände der Kommende am Brackeler Hellweg: Bis April 2018 wird das Dachgeschoss zu modernen Büroräumen umgestaltet, in die dann das neue Katholische Datenschutzzentrum der Bistümer in Nordrhein-Westfalen einziehen wird. Doch eine Baustelle wird das Sozialinstitut auch bleiben, nachdem die aktuellen Arbeiten beendet sind – Wenn auch eher im übertragenen Sinne. Das macht schon ein kurzer Blick auf das Programm deutlich: Von Wirtschaftsethik über sozialethische und berufsbezogene oder Bildung Angebote für Mitarbeitervertretungen oder kirchliche Dienstgeber bleibt so gut wie kein Feld im sozialen Bereich „unbeackert“. Nicht zuletzt ist das Sozialinstitut immer wieder Schauplatz wichtiger Treffen zwischen Vertretern von Kirche und anderen gesellschaftlich relevanten Gruppen.

Wenn Direktor Klasvogt in seinem Grußwort vom „Frieden im Alltag“ spricht, meint er das mit Blick auf die Themenvielfalt allerdings nicht das Verkünden vorgefertigter Meinungen. Die Reihe „Querdenker“ zeigt beispielhaft, dass bei den Diskussionen und Debatten im Umfeld sozialpolitischer Themen auch diejenigen zu Wort kommen, die abseits des Mainstreams den Diskurs bereichern. Etwa wenn es um die Frage geht, ob sich Deutschland zu einer „Dienstbotengesellschaft“ oder welche Rolle die politischen und wirtschaftlichen Eliten beim Erhalt der unbestreitbaren sozialen Ungleichheiten spielen. Dabei werden häufig genau die Fragen gestellt, die  in anderen Zusammenhängen „außen vor“ bleiben: Wer zum Beispiel verdient an den wachsenden Schulden afrikanischer Länder?

Hochkarätige Referenten, anspruchsvolle Diskussionen: Als elitäres Forum oder Kaderschmiede sieht sich die Kommende allerdings nicht. Das Gegenteil ist der Fall: Der Anspruch, breit in die Gesellschaft zu wirken und niemanden außen vor zu lassen, wird beispielsweise im umfassenden Angebot für junge Menschen deutlich. Kurse zur Katholischen Soziallehre stehen ebenso auf dem Programm wie Seminare zur sozialen Kompetenz oder zur Gewaltprävention an Schulen. Der oft zitierte Anspruch der katholischen Kirche „niemanden zurücklassen zu wollen“ – Hier wird er an einer Schlüsselstelle der Gesellschaft konkret umgesetzt.

Seit 2006 leitet Dr. Peter Klasvogt das Sozialinstitut. Einer seiner Vorgänger war Professor Dr. Reinhard Marx, danach Weihbischof in Paderborn und heute Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Klasvogt folgte auf Professor Dr. Peter Schallenberg, der heute Direktor der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle (KSZ) in Mönchengladbach ist.

Gegründet wurde das Sozialinstitut vor fast 70 Jahren vom damaligen Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger. Er weihte das „Institut für Katholische Sozialarbeit“ am 9. Oktober 1949 ein. Das Gebäude selbst ist allerdings viel älter: Zum ersten Mal erwähnt wurde die Kommende 1290 als Niederlassung des Deutschen Ritterordens.  Im Jahr 1762 übernahm die Familie Oberstadt das umfangreiche Anwesen und bewirtschaftete es fast 200 Jahre in Erbpacht. Als Schenkung ging es schließlich 1946 in das Eigentum des Erzbistums Paderborn über.

„Begegnungsstätte zwischen Kirche und Welt lautete der Auftrag an die Kommende im Jahr ihrer Gründung. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die zunehmende Dynamik der gesellschaftlichen Prozesse wird allerdings dafür sorgen, dass die „Bauarbeiten“ am Sozialinstitut weitergehen werden.

Internet: www.kommende-dortmund.de

Bildzeile: Die Kommende ist ein wichtiges Forum für Austausch und Meinungsbildung: Pater Bernd Hagenkord SJ  bei seinem Festvortrag „Was ist los mit Dir, Europa?“ beim Patronatstag des Sozialinstituts.