Das Studium der Sozialen Arbeit:  Helfen lernen ohne zu verurteilen

Nein, selbstverständlich ist der Weg von Bastian Risch sicherlich nicht. Warum auch? Der junge Mann hat sich für ein Studium der Sozialen Arbeit entschieden. Er will helfen – menschlich, aber auch professionell. Und dieses Ziel ist in der heutigen Zeit alles andere als selbstverständlich. Was ihn motiviert und wohin sein Weg führen soll, darüber haben wir mit ihm gesprochen.

Bastian Risch ist ein Mensch, der offen auf seine Mitmenschen zugeht, freundlich ist und bei Konflikten oftmals als ruhender Pol in der Brandung die Wogen wieder glättet. Man merkt ihm an, dass er das Studium der Sozialen Arbeit an der FH Bielefeld nicht nur absolviert, sondern seine dort gewonnenen Erkenntnisse auch im Alltag anwendet. Er lebt sein Studium. Momentan schreibt er an seiner Bachelorarbeit und will danach in die Arbeitswelt wechseln.

„Ich fühle mich generell in Umgebungen wohl, in denen es Menschen gut geht“, erzählt der 26jährige. „Das Studium der Sozialen Arbeit gibt mir die Kompetenz, Menschen helfen zu können, sich in ihrer Umgebung besser zurechtzufinden und kritische Situationen besser zu bewältigen.“ Das Studium macht ihm dabei deutlich, dass es sich hierbei nicht um Menschen einer speziellen sozialen Schicht handelt: „In meinem Studium habe ich mich mit Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten beschäftigt, habe ihre Probleme und Sorgen erläutert und Methoden gelernt mit denen man die ihre individuellen Probleme lösen kann.“

Eine wichtige Eigenschaft, die Risch dabei in seinem Studium gelernt hat, ist die Zurücknahme der eigenen Person: nur wer seine eigene Meinung und seine Ansichten zum Wohle seiner Mitmenschen zurückhalten kann, kann ihnen auch eine individuelle und kompetente Beratung garantieren. „Eines der wichtigsten Dinge, die ich in meinem Studium gelernt habe, ist es, Aussagen aus verschiedenen Sichtweisen reflektieren zu können“, erklärt er, „Es ist wichtig, dass man dazu nicht auf seinen eigenen Standpunkt pocht und dem Klienten nicht die eigene Moral vorschreibt. Man muss versuchen, die Äußerungen der Klienten nachvollziehen zu können, wenn man helfen will.“

Die Zurücknahme der eigenen Standpunkte bedeutet aber nicht nur, die Perspektive einfacher wechseln zu können, sondern hat auch eine weitaus fundamentalere Bedeutung, wie Risch erläutert: „In der Sozialen Arbeit arbeitet man mit Menschen die Hilfe brauchen. Man wird dabei sehr oft mit Situationen konfrontiert, die man nicht aushalten würde, wenn sie einem im eigenen Leben widerfahren würden, weswegen wir kein Recht haben, dem Klienten zu sagen, dass er sich in dieser Situation falsch verhielt. Vielmehr versuchen wir seine Reaktion zu verstehen, z. B als einzigen Ausweg, den er in einer gewissen Situation sah.“

Wer sich für ein Studium der Sozialen Arbeit entscheidet, der kann nach dem Abschluss in einer großen Anzahl von Berufen einsteigen, denn so vielseitig, wie die Gesellschaft ist, so zahlreich sind auch die späteren Berufsfelder. „Man erreicht mit der Sozialen Arbeit vielmehr Menschen als es das Klischee darstellt, wonach wir nur mit Drogenabhängigen und Ex-Sträflingen zu tun haben“, lacht Risch. „Das Arbeitsfeld ist sehr breit gefächert und man kann mit den verschiedensten Menschen, aus den unterschiedlichsten Umgebungen und im jeden Alter zusammenarbeiten. Egal, ob es jetzt Schüler sind, Asylbewerber, Opfer häuslicher Gewalt oder auch Bewohner eines Altenheims, es gibt zahlreiche Arbeitsbereiche und Möglichkeiten beruflich tätig zu sein. Hinzu kommen auch sehr viele Weiterbildungen, z. B. zum Psychotherapeuten.“

Könnte Bastian Risch noch einmal wählen, würde er sich wieder für das Studium der Sozialen Arbeit entscheiden. „Es war für mich persönlich definitiv die beste Entscheidung Soziale Arbeit zu studieren. Ich habe das auch nie bereut“, erklärt er. „In meinem Studium bin ich nicht nur in meiner Entscheidung bestärkt worden, mich beruflich mit Sozialer Arbeit zu befassen und ich konnte nicht nur Einblicke in den Beruf gewinnen, sondern bin auch persönlich sehr gewachsen und kann mit vielen Situationen, die mich früher überforderten, viel besser angehen.“ Das Studium der Sozialen Arbeit sei für jeden geeignet, der sich für seine Mitmenschen einsetzen möchte und ihnen helfen wolle, sich besser in ihrer Umgebung zurechtzufinden und schwierige Situationen zu meistern. „Es gibt viele, unterschiedliche Möglichkeiten, wie man nach dem Studium seinen Mitmenschen helfen kann“, ist sich Bastian Risch sicher und freut sich schon jetzt, sein theoretischen Wissen bald in der Praxis einsetzen zu können.